Dienstag, 3. März 2015

Tutorial: Flickenhoodie

Hallo zusammen,

heute gibt es mal wieder ein  -naja, eigentlich erst das zweite-  Upcycling-Tutorial.
Anlass war Herr Ns Vorliebe für Flicken, meine Trage-ich-vielleicht-irgendwann-mal-wieder-Kisten mein überquellender Kleiderschrank und der Gedanke des Upcyclings und der damit verbundenen . Ressourcenschonung.
Also hab ich einen ersten Versuch gestartet - leider waren dem Herrn die Flicken noch zu groß und zu regelmäßig. Also noch einen Versuch und dabei mitgeknipst.

Es geht los:

Zutatenliste:
alte T-shirts in ähnlicher Stoffqualität
einen alten Pulli mit Bündchen (kann natürlich auch durch Bündchenware ersetzt werden)
Schneiderschere
einfacher und schneller geht es mit einem Rollschneider und einer Schneidematte
Stecknadeln
Nähmaschinengarn
Nähmaschine
falls ihr eine Overlock habt, geht es flotter
Superstretch-Nadeln 75
Garn
Geduld, Zeit und gute Musik

Ich habe für einen Kapuzenpulli in Größe 146 sechs T-Shirts in Größe S/M gebraucht. Davon alleine zwei für die Kapuze. Ich hatte mich für verschiedene Blautöne und ein rotes Shirt für den Kontrast entschieden.

Nun heißt es erstmal die Seitennähte der Shirts aufzuschneiden und sie dann einlagig auzubreiten.
Den unteren Saum abschneiden. Außer mann möchte ihn als zusätzliches Stilelemt erhalten.
Zerschneide nun das Tshirt horizontal zum Fadenlauf in gleich breite Streifen. Ich habe mich an der Breite meines Quiltlineals orientiert, deshalb sind meine Streifen alle 15 cm hoch. Die Breite richtet sich nach der T-Shirtweite. Es ist wichtig, dass die Streifen alle gleich hoch sind, sonst wird die Stückelei noch aufwändiger.



Für den Flicken/Patchworklook zwei unterschiedliche Streifen aufeinanderlegen und  die Streifen so teilen, dass man zwei gleich große Stoffflicken erhält.


Die beiden gleich großen Stoffflicken diagonal zerschneiden.


Ich habe einen Teil der Stoffstreifen zu  Dreiecken zerschnitten. Hübscher ist es, wenn die Stoffflicken unterschiedliche Längen aufweisen. Die Höhe beträgt ja immer 15 cm. Darauf achten, dass die gemeinsam hergestellten Dreiecke auch immer zusammen bleiben und nicht durcheinander geraten. Sonst gibt es später ein Puzzelspiel, weil nur die beiden Dreiecke zusammen passen, die auch aus dem gleichen Rechteck geschnitten wurden.


Nun die passenden beiden Dreiecke so rechts auf rechts legen, ...


... dass sie aufgeklaptt wieder ein Recheck ergeben.


Nun die beiden Dreiecke zusammen nähen. Am schnellsten gehts mit einer Overlock. Falls ihr keine habt, könnt ihr natürlich auch einen veräubernden Stich der Nähmaschine nehmen. Aber auch ein normaler Geradstich ist möglich, da keine Elastizität gebraucht wird.


Ihr müsst das auch nicht so genau machen, denn es ist ja ein Flickenhoodie und keine akkurate Patchworkdecke. Das könnt ihr gut aus dem Bild sehen.


Ich habe die Dreiecke als Kette zusammengenäht. Das geht bedeutend schneller als jedesmal den Faden abzuschneiden und neu anzusetzen.



Nun werden alle zuvor genähten Nähte abgesteppt. Ich habe das gemacht, damit die Naht schön flach liegt.


Auch wieder in der Kettentechnik


Nun heißt es alle "Kettenfäden" abschneiden. Danach habt ihr ein schönes buntes Rechteckhäufchen.



Nun heißt es wieder zusammennähen und zwar jeweils ein einfarbiges Rechteck (die Teile, die ihr aufbewahren solltet) mit einem bunten Rechteck an der 15cm langen Seite. Achtet dabei auf eine schöne Durchmischung der Farben und Größen der einzelnen Stoffstücke. Ich hab die Sortierung vor dem Nähen vorgenommen, damit ich immer schnell mir ein Stoffstück greifen konnte, ohne groß darüber nachzudenken, welches nun drankommen soll.
Ich habe alle Teile rechts auf rechts zusammengenäht, so dass die Overlocknähte auch wirklich auf einer Seite sind. Wichtig ist auch, dass ihr immer darauf achtet, dass der Fadenlauf der einzelnen Stoffstücke beim Zusammennähen übereinstimmen.


So sieht es dann aus, wenn ihr alle Stoffstücke zusammengenäht habt. Eine ewig lange Stoffschlange.


Nun heißt es bügeln. Die neue Verbindungsnaht zwischen den Rechtecken sollte zu einer Seite gebügelt werden, denn...


... die Nähte werden wieder abgesteppt.


Nun diesen langen Stoffstreifen wieder in kürzere Stoffstreifen teilen. Ich habe mich an einer normalen Stoffbreite von 145 orientiert und nochmal 10 cm hinzugegeben. Bei mir kamen dabei sechs 155cm lange Streifen heraus und noch ein kleiner Rest. Dieser wird natürlich für das nächste Projekt aufgehoben.

Nun heißt es wieder zusammennähen und zwar rechts auf recht an der 155 cm langen Kante. Danach wieder absteppen. Wenn ihr das mit allen Streifen gemacht habt, habt ihr danach ein neues Stoffstück (oder eine Decke), dass ihr als neuen Zuschneidestoff für euer Schnittmuster nehmen könnt.


Nun heißt es den Stoff genauso behandeln wie normale Meterware. Schnittmuster auflegen, zuschneiden, zusammennähen. Bevor ihr die einzelnen Teile zusammennäht, entscheidet euch, ob die Overlocknähte außen oder innen liegen sollen. Wenn sie Außen sein sollen, ist das die rechte Seite. Wenn sie innen liegen sollen, und so nur die Absteppnähte sichtbar sind, dann ist es die linke Seite.




So langsam nimmt der Flickenhoodie Gestalt an.


Ich habe mich dazu entschieden, dass die Overlocknähte innen liegen sollen. Bei einem (Kapuzen)-Pulli stören die vielen Nähte auch nicht, weil ja für gewöhnlich ein Tshirt darunter getragen wird.
Aus einem alten Feinstrickpulli (Größe S), habe ich die Arm- und Bauchbündchen abgeschnitten und sie unverändert als neue Bündchen für den Hoodie genutzt. Sonst könnt ihr natürlich auch normale Bündchenware nehmen.


Da meine Flickenmeterware nicht mehr für die Kapuze reichte (nächstes Mal orientiere ich mich am Stoffverbrauch des SM), habe ich noch schnell zwei alte Tshirts herausgekramt und daraus dann die Kapuzennteile geschnitten. Zwei Shirts, weil ich Kapuzen immer füttere - sonst hätte auch eins gereicht.


Fertig!



Und auch noch Bilder von meinem ersten Versuch. Da habe ich nur Tshirts genommen, die mir farblich so rein gar nicht gefallen. Für einen Testversuch sind solche Shirts ideal. Hier kannst Du auch erkennen, dass ich die Ovinähte außenliegend habe.
Weil Herr N mit der Flickengröße etwas unzufrieden ist, ist es nun ein Schlafshirt geworden, das ihm noch ziemlich lange passen wird, da ich es in 158 genäht habe.




So einen Puli näht man mal nicht eben auf die Schnelle, weil eben viel Vorarbeit geleistet werden muss, bis man endlich das Schnittmuster auflegen kann. Ich finde jedoch, dass sich der Aufwand lohnt. Herr N. mag diesen Pulli sehr sehr gerne und er ist genau so, wie er ihn sich gewünscht hat. Ich habe 6 Shirts und einen Pulli upgecyclet und die Kosten sind minimal, da ich eben keine Stoffausgaben hatte. Nur Nähgarn, Nadeln und Strom.

Ich hoffe, euch hat das Tutorial gefallen! Falls Unklarkeiten bestehen, fragt doch gerne nach!
Natürlich geht sowas auch mit Stoffresten und ist eine gute Möglichkeit auch wirklich den letzten Fitzel der geliebten Stoffe zu verarbeiten.

Ach und es gibt noch eine kleine Neuerung in meinem Blog. Unten habe ich eine kleine Infobox zusammengestellt, wo es kurz und knapp die wichtigsten Informationen zur Nähmaschine, Stichlänge, Fadenspannung und Schwierigkeitsgrad etc. gibt. Der Grund war, dass ich bes. als ich frisch mit dem Nähen angefangen habe, mich häufig gefragt habe: Welche Stichlänge denn, was für eine Nadelstärke, wie lange werde ich wohl brauchen etc.? Oder auch: Overlock, Hilfe welche Einstellung?!  Aus diesem Grund nun die Infobox.
Was haltet ihr denn davon, brauchbar oder unnötiger Zusatzaufwand?

Liebe Grüße

Nadine 

Infobox:                                                                                                                                                      
Verlinkt bei: Upcycling Dienstag, Kiddikram, made4boys, Creadienstag und Pinterest.                               
Arbeitsaufwand: hoch, ca. 8 h.
Schwierigkeit: leicht
Zufriedensheitsfaktor: hoch
zusätzliche Kosten: 0.-, weil alles da
Stoff: Interlock-Jersey 100% Baumwolle
Schnittmuster: 
Kapuzenpulli: Happy Trio aus der Ottobre 1/2014, Größe 146, anfängertauglich
Raglanshirt: Autumn Stripes, Ottobre 6/2013, Größe 158, anfängertauglich
Nähmschine: W6 5000 mit OTF genäht
Stiche: Geradstich, Länge 3
Fadenspannung: automatisch
Overlock: W6 n454d
Fadenspannung: 4/3/3/3, Stichlänge 2,5, Differentialtransport: 1,5



Kommentare:

  1. Wow! Wahnsinn! So viel Arbeit, die sich aber definitiv lohnt :)
    LG

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    1. Vielen Dank ♥ Ich freue mich sehr über Dein lieben Kommentar!
      LG Nadine

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  2. Super Resteverwertung!! Die Arbeit hat sich da wirklich gelohnt. Da kann sich der kleine Mann aber zu Recht freuen.
    Das muss ich auch unbedingt ausprobieren.
    Zum Glück hat das Tochterkind erst Gr. 92/98 da braucht man ja noch nicht so viel Stoff...

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    1. Danke schön für das Kompliment!
      Ich habe hier schon die nächste Stoffschlagen produziert, i-wie mag ich diesen meditativen Nebeneffekt und man muss nicht so genau arbeiten, wie beim richtigen Patchwork ;)
      Wenn Du das mal getestet hast, dann gib doch hier bescheid, ich würds mir dann gerne anschauen!
      LG
      Nadine

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